Fokus: Religion ist ein verbindendes Thema

Die Gefängnisseelsorge untersteht der Schweigepflicht und bewertet nicht.

Pfarrer Frank Stüfen, protestantischer Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies, begleitet Gefangene durch ihren schwierigen und belasteten Alltag und ins Altwerden und Sterben. Mit ihm können die Gefangenen «offen über Dinge sprechen, die sie beschäftigen und Kummer bereiten, denn die Seelsorge untersteht der Schweigepflicht und sie bewertet nicht».

Charlotte Spindler

Tür an Tür haben die beiden Seelsorger Frank Stüfen und sein katholischer Kollege Ivo Graf ihre Büros. Wenn sie nicht in einem Gespräch sind, stehen die Türen häufig offen. Unter einem Dach sind Sozialarbeit, Therapie und Schule untergebracht, und viele Gefangene, die einen Termin wahrnehmen, nutzen die Gelegenheit, rasch bei den Seelsorgern vorbeizuschauen und vielleicht auch den Wunsch nach einem Gespräch anzumelden. Wieder andere melden sich über einen Hausbrief für ein Gespräch an. Auch der Andachtsraum befindet sich gleich nebenan. Die religiösen Symbole der wichtigsten Religionen dieser Welt bilden den Wandschmuck zum Eingang. Der grosse Raum selbst, im Halbrund die Sitzreihen, in der Mitte eine Nachbildung des Labyrinths der Kathedrale von Chartres, strahlt Ruhe und Würde aus. Gottesdienste in mehreren Sprachen finden hier statt, das muslimische Freitagsgebet und andere Feiern. Mehrmals im Jahr gestalten die Seelsorger eine gemeinsame interreligiöse Feier. Frank Stüfen gewährt einen Blick in einen kleinen Nebenraum, wo die Seelsorger und Imame die für den Gottesdienst nötigen Dinge aufbewahren, auch Gebetsteppiche für die muslimischen Insassen. Das Nebeneinander und Miteinander ist ein Ausdruck der seelsorglichen Tätigkeit in dieser geschlossenen Welt der «Manche Gefangene kommen wöchentlich zum Gespräch» Im Kultusraum der Strafanstalt wird immer wieder an verstorbenen Gefangenen gedacht. © Peter Schulthess 24 Fokus: Lebensende im Justizvollzug 2/2016 Justizvollzugsanstalt. «Religion ist ein verbindendes Thema», sagt Stüfen, «und das gilt über die konfessionellen Grenzen hinweg. » Er sucht den Austausch auch im Gottesdienst; in den Predigten stellt er oft einen einzigen Gedanken in den Mittelpunkt und fordert seine Zuhörer dann zur Diskussion auf. «Daraus ergeben sich spannende Gespräche.»

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