Bericht zur IPCA Tagung 2015

Bericht über die 7. IPCA worldwide Konferenz in Sydney/Australien vom 19.-24. September 2015 zum Thema „Telling your story“.

Die ‚International Prison Chaplains’ Association’ worldwide ist eine weltweite Gefängnisseelsorgevereinigung, die 1985 von 16 Seelsorgenden im Ökumenischen Institut in Bossey/GE gegründet wurde. Sie ist von einer Bewegung unter engagierten Gefängnisseelsorgenden zu einer wichtigen, auch in der UN vertretenen, NGO geworden, die heute hunderte von Mitgliedern vereinigt und in einer alle fünf Jahre stattfindenden Konferenz versammelt. Ihr Ziel ist es, den Austausch unter den Seelsorgenden aus aller Welt zu fördern und dadurch eine Gemeinschaft zu ermöglichen, die voneinander und aneinander lernt. Obwohl die protestantischen Denominationen und Kirchen die meisten IPCA Mitglieder stellen, ist die Konferenz offen und wird von Seelsorgern  und Geistlichen verschiedener Konfessionen und Religionen besucht. Ziele und Inhalte der Gefängnisseelsorge hängen von ökonomischen, kulturellen, finanziellen, sozialen ebenso ab, wie von der politischen Lage eines Landes. Alle diese Faktoren wirken sich auf das aus, was Seelsorge tun will, kann oder muss. Hat Gefängnisseelsorge eher diakonischen Charakter geht es oft darum, das Nötigste für Gefangene zu besorgen, hat sie eher verkündigenden Charakter geht es darum, Hoffnung durch Glaube und Bekehrung zu ermöglichen, geht es um pastoralpsychologisch motivierte Seelsorge, stehen seelsorgerliche Begegnungen im Einzelsetting an. Eine besondere Richtung haben die Seelsorgenden, die mit Restorative Justice Programmen zur Versöhnung des Straftäters mit Opfern, Angehörigen, der Familie und sich selbst beitragen. Diese verschiedenen Ziele und Haltungen treffen bei Konferenzen auf einen regen Austausch bei dem es nicht darum geht, den anderen zu überzeugen, sondern zuzuhören und zu lernen.

IPCA Oceania hatte die diesjährige Konferenz an einem College in Sydney organisiert, das Platz für alle 260 Konferenzteilnehmenden aus 56 Ländern bot und über die nötige Infrastruktur verfügte. Das Thema „Tell your story“  nahm die genannte Verschiedenheit auf und ermutigte zum Austausch.

Die drei Hauptreferenten aus Nordamerika, Europa und Afrika  beschäftigten sich mit Kommunikation, Versöhnung und Veränderungen innerhalb des Strafvollzugs. Die schwedische Pastorin und Forscherin Ulrica Fritzson stellte Teile ihrer kurz vor dem Abschluss stehenden Dissertation über Koomunikationsprozesse zwischen Täter und Opfer vor, die Versöhnung zum Ziel haben. Dazu untersucht sie ein von einem IPCA Seelsorger inszeniertes und geleitetes Restorative Justice Programm im Pollsmoor Gefängnis in Kapstadt/Südafrika. Ziel des Programms ist es, das Opfer ins Zentrum des Prozesses zu stellen und dadurch den Blickwinkel des Gefangenen weg von sich selbst zu lenken, hin zu anderen. So entsteht ein Raum der Verantwortung, den der Gefangene besetzen kann. Wenn er das tut, beginnt ein Heilungsprozess. Verantwortungsübernahme verwirklicht sich hier in einem doppelten Sprechakt: für den Täter ist es die Versicherung fähig zu sein, Verantwortung zu übernehmen und für das Opfer meint es, gesehen zu werden und dadurch von der Frage einer häufig imaginierten eigenen Verantwortung entlastet zu werden.

Der Südafrikanische Verantwortliche für Spiritual Care im Correctional Service Southafrica, Hennie Human, fragte in seinem Referat nach der sich verändernden Rolle der Seelsorge im Umfeld des Strafvollzuges. Er nahm die Frage auf, die in vielen Strafvollzugssystemen gestellt wird: Was ist der Nutzen der Seelsorge für den Strafvollzug? Zumindest in den deutschsprachigen Seelsorgeländern gibt es bis heute keine empirischen Untersuchungen, was Seelsorge nützt, vor allem, wenn man pastoralpsychologisch orientierte Seelsorge im Umfeld von therapeutisch und sozialarbeiterisch geprägten Behandlungsvollzug treibt. Human schlägt einen Transformationsprozess vor, der klassische und weitgehend unabhängige Gefängnisseelsorge einbettet in eine Behandlungsvollzugsseelsorge. Das würde allerdings auch das Seelsorgegeheimnis gefährden und den Seelsorgedienst zu einem weiteren Dienst machen, der zu Berichten verpflichtet wäre. 

Human hat mit  der Frage nach Nutzen ein wichtiges Thema berührt. Ob und wie es auch für unsere wenig von Programmen geleitete deutschsprachige Seelsorge sinnvoll wäre, ihren Nutzen empirisch zu erforschen, wird weiter zu diskutieren sein.

Die Workshops zu seelsorglichen Programmen, Ausbildung von Seelsorgenden oder Restorative Justice  oder anderen waren gut besucht. Für den Schreibenden war es eine wichtige Erfahrung, einen Workshop über Empathie aus theologischer Perspektive für die Gefängnisseelsorge zu leiten und mit Seelsorgenden aus 15 Ländern zu diskutieren.

Die Konferenzdeklaration, die stark von den deutschen Gefängnisseelsorgern Martin Faber und Michael Philipi verantwortet wurde, ist im Wortlaut auf der Website www.ipcaworldwide.org nachzulesen.  Die Deklaration fokussiert darauf, Flüchtlinge nicht in Gefängnissen unterzubringen, die Verweigerung des Militärdienstes nicht mit Gefängnis zu bestrafen und fordert ein sofortiges Moratorium für die und die Abschaffung der Todesstrafe. Sie erinnert daran, dass die ‚UN Minimum Prison Rules’ neu überarbeitet wurden und als ‚ The Mandela Rules’  in allen Ländern Beachtung finden sollten.

Bericht von der Konferenz: Pfarrer Frank Stüfen, Gefängnisseelsorger in Zürich/Schweiz

 

 

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